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 "Schalten Sie mal wieder ab!"

Holger Kreymeier wider die Massenverdummung

„Dafür zahl' ich nicht!" Dieser Satz kostete Holger Kreymeier im März 2009 den Job. „NDR feuert GEZ-Kritiker" lautete die Schlagzeile, mit der er in den darauf folgenden Wochen durch die Medienlandschaft geisterte. „Kurzfristig hat mir dieser Rauswurf natürlich finanziell geschadet.", gibt Kreymeier heute zu. Aber er sagt weiter: „Mittelfristig hat er aber viele Zuschauer gebracht!" 50 000 Menschen sehen Kreymeiers medienkritisches Format inzwischen pro Sendung. Momentan ist er für den Grimme-Online-Award nominiert.
Kreymeier hat sich irgendwann auf die gute Seite der Medienwelt geschlagen und seine Entscheidung bis heute nicht bereut. „Zivilcourage geht immer vor Sicherheitsdenken.", lautet seine Meinung.
Der 39-jährige wurde nicht zur Fernsehkritik erzogen. „Bei uns zuhause gab es regelmäßige Fernsehabende." Aber damals habe die Medienlandschaft noch anders ausgesehen: „Das Fernsehen war zu Beginn niveauvoller, gelassener, ruhiger." Kindersendungen waren gehaltvoll. „Die Sesamstraße ist mittlerweile eine Krawallsendung!" Krawall - Viele Sendungen belegt Kreymeier mit diesem Attribut. Ob Talkshow, Quiz, Kindersendung oder Fernsehfilm - kein Format ist vor seinem Hohn sicher. 2003 sicherte er sich die Domain „www.fernsehkritik.tv". Zunächst stellte der studierte Journalist dort nur medienkritische Texte online. 2007 entschied er sich, das Fernsehen kritisch widerzuspiegeln. Zielscheibe sind größtenteils Formate der privaten Sender. „Diese ganzen Promi-Quiz-Shows, Spielflme, Heimatschmonzetten, Reality-Soaps. Hier werden menschliche Schicksale als Ware verkauft.", kritisiert Kreymeier nachdrücklich. Und er weiß, wovon er spricht. Er selbst hat nach seinem Studium für eine Agentur gearbeitet, die hauptsächlich die „Privaten" mit „Reportagen" beliefert hat. „Das war Schmutzjournalismus!", meint der Medienkritiker heute. In seiner Sendung demonstriert der Hamburger Journalist jeden Monat, dass das Medium des bewegten Bildes auch anders aussehen kann. Zahlreiche gut recherchierte Beiträge entlarven den gefakten, manipulativen Fernsehjournalismus, der gerade so aktuell ist. Besonders aktiv ist Kreymeier, wenn es darum geht, den Call-In-Sendern an den Kragen zu gehen. „Das ist glatter Betrug, was diese Sender machen.", meint er. In vielen Beiträgen demonstriert er die perfide Methodik dieser Formate. Gefälschte Anrufe, Teilnehmer, die offensichtlich im Namen des Senders regelmäßig unter falschem Namen anrufen, Verarsche bei den Gewinnspielen - „Abzocke.", nennt Kreymeier die Call-In-Shows.
45 Minuten dauert eine Folge Fernsehkritik.tv durchschnittlich. Für die Vorbereitung benötigt Kreymeier länger. „Der Arbeitsaufwand variiert je nachdem welches Thema man behandelt.", informiert er. "Man kann schlecht sagen, wie lange man braucht um einen Beitrag zu recherchieren. Im Schnitt vielleicht 3 Stunden." Alles in allem nimmt aber die Arbeit für Fernsehkritik.tv den Journalisten auch privat sehr ein. Mitunter rufen aufgebrachte, kritisierte Medienmacher bei ihm zu hause an. Und das sind nicht immer nur die „bösen Privaten". Kreymeiers Kritik trifft auch oft genug die Öffentlich-Rechtlichen. „Wenn Menschen für das Programm zahlen, können Sie auch etwas erwarten.", lautet seine Meinung. Wenn sich Fernsehredakteure keine Mühe geben, landen sie schneller in seiner Sendung, als sie sich vorstellen können. „Die Medienmacher heute bemühen sich nicht mehr um den Zuschauer.", kritisiert Kreymeier die Arbeit seiner Kollegen. Eine mögliche Erklärung für ein Programm, das zur Zeit viele Menschen veranlasst den Fernseher aus der Wohnung und dem Leben zu verbannen? Möglich. Holger Kreymeier will sich damit nicht zufrieden geben. „Wenn ich kein Fan des Fernsehens als Medium wäre, würde ich einfach abschalten." Aber Kreymeier denkt anders. Er schätzt die „demokratische Struktur" des bewegten Bildes: „Kein anderes Medium ist so entlarvend wie das Fernsehen." Und kein anderes ist so anfällig für Massenmanipulation.
95 % aller deutschen Haushalte verfügen derzeit über einen Fernsehempfänger. Damit ist das Fernsehen ein Leitmedium. Seit 1984 gibt es die privaten Sendeanstalten. Nicht erst seitdem steht hauptsächlich die Gewinnmaximierung ganz oben auf den Fahnen der Medienmacher. Unabdingbar hierbei: Werbung. Der Preis, den Unternehmen für Werbezeit zahlen müssen richtet sich nach den Einschaltquoten. In Deutschland bestimmen darüber 5640 Haushalte. Ihr Fernsehverhalten wird von der Quotenbox der Gesellschaft für Konsumforschung dokumentiert und auf die 80 Mio. Menschen in Deutschland hochgerechnet. Ein Szenario wie im Film „Free Rainer", wo die Manipulation der Einschaltquoten zu einer Revolution in der Programmlandschaft führt, hält auch Kreymeier nicht für allzu abwegig. Generell stellt er aber die Ermittlung der Quoten überhaupt in Frage: „Kennt ihr jemanden, der jemanden kennt, der so eine Box hat?" Vor kurzem habe er einen Beitrag dazu machen wollen, nachdem im Fernsehkritik.tv-Forum ein Zuschauer angab, eine der ominösen Boxen zu besitzen. Kurz vor'm Interviewtermin habe der aber abgesagt. Kreymeier weigert sich beharrlich, das Fernsehen und seine Zuschauer aufzugeben. „Ich will der Massenverdummung von Jugendlichen entgegenwirken.", gibt er an und am Ende seiner Sendung rät der letzte echte Fernsehjournalist ohne Programmplatz in bester Peter-Lustig-Manier: „Schalten Sie mal wieder ab!" (Artikel aus der Juli-Ausgabe der medium²)


 Kaffee, Kippen und Klischees!

medium²-Redakteurin Hanna im Gespräch mit Songwriter Gisbert zu Knyphausen

Kassel - Er ist nicht unbedingt der Spaßvogel der Nation. Wer zu Knyphausens Lieder hört, denkt an einen tiefsinnigen, melancholischen und sensiblen Typen, dessen Gedanken stundenlang um einen bestimmten Punkt kreisen können. Ohne Ergebnis!
Gisbert amüsiert dieses Klischee über ihn: „Wenn mich Leute treffen, haben sie immer das Bedürfnis, mich zu trösten. Aber die Melancholie ist eben nur eine Seite meiner Persönlichkeit."
Neben der ausgeprägten Nachdenklichkeit ist er nämlich ziemlich unkompliziert, ziemlich aufgeschlossen und ziemlich kettenrauchend.
Interviews geben zählt nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Vor allem nicht heute, nach einer bierdurchzechten Nacht. Bei Kaffee und Kippen unterhalten wir uns dann aber doch über sein Studium der Musiktherapie, seine Planlosigkeit und seinen Umzug nach Berlin.
Studiert hat Gisbert im Ausland: „Auf die Universität in den Niederlanden bin ich durch Empfehlungen von Freunden gekommen. In Berlin habe ich ein Praktikum bei einem Musiktherapeuten gemacht und hatte das Gefühl, das sei das Richtige für mich." Wirklich als Musiktherapeut arbeiten wollte er nach dem Studium in Nijmegen aber doch nicht. Das war ihm nicht praktisch genug.
Nachdem er einige Zeit in diversen Bands gespielt hatte, entschied er sich 2005 dazu es vorerst allein zu versuchen. Das Ergebnis ist sein Debütalbum „Gisbert zu Knyphausen" (2008). Nach Hören des Albums glaubt man, Herrn zu Knyphausen schon ewig zu kennen. Wahrscheinlich weil er es schafft, Probleme derart beim Namen zu nennen, dass man sich automatisch angesprochen fühlt. Ihm gelingt es spielend mit Worten Bilder zu erzeugen. „Ich bin ein Perfektionist, was meine Texte betrifft", gibt er zu. Seine Selbstkritik endet nicht beim texten. Auf meine Frage, ob er sich mit seiner Nachdenklichkeit manchmal selbst im Weg steht, zuckt er fast resignierend mit den Schultern, grinst und gibt zu, dass er sich das Leben manchmal wirklich schwerer mache, als es eigentlich sei. Seine Melancholie schickt er auf dem neuen Album „Hurra, Hurra! So nicht" (2010) auf lakonische, schroffe Art zum Teufel.
Der wohl bildhafteste Song der neuen Platte ist „Kräne": „Der Hamburger Elbstrand ist einer meiner Lieblingsplätze", verrät Gisbert. Die Verbundenheit zu Hamburg ist allgegenwärtig. Umso mehr stellt sich die Frage, warum er gerade frisch nach Berlin umgezogen ist. „Ich hatte schon immer vor, mal wieder nach Berlin zurückzugehen und dachte, dass nun der richtige Zeitpunkt da ist. Die beiden Städte sind natürlich nicht zu vergleichen, aber irgendwie wollte ich mal wieder in einer „richtigen" Großstadt leben". Ewig wolle er nicht in der Hauptstadt bleiben, sagt Gisbert. Aber solange Olli Schulz und andere befreundete Musiker dort wohnen, würde er sich schon wohlfühlen. Der Neuanfang, der mit dem Umzug einherging passte ihm gerade ziemlich gut in den Kram:
Seit Release des zweiten Albums ist es nämlich offiziell: Gisbert ist ab jetzt eine Band! „Vorrangig ging es mir darum, dass es menschlich passt. Texten tu' ich immer noch alleine, das Arrangieren der Musik machen wir gemeinsam." Wenn es nach ihm geht, kann das auch gerne so bleiben.

Stellt sich nur noch die Frage, wie es bei Gisbert zu Knyphausen musikalisch und privat weitergeht. Vor ein paar Jahren noch wollte er, „unbedingt mal auf dem Haldern-Pop Festival" am Niederrhein zu spielen. Einige seiner Hamburger Kollegen wie Element of Crime, Tocotronic und Blumfeld hatte er aus der Zuschauerperspektive um deren Glück dort spielen zu dürfen schon beneidet.
2008 stand er dann selbst auf der Bühne.
Auf die Frage, was er als nächstes anstrebe, antwortet er nach längerem Nachdenken: „Ich bin nicht der Typ, der immer irgendwelche Ziele braucht, auf die ich mich konzentrieren kann. Eigentlich freu' ich mich jetzt erstmal auf die Tour und auf die Festivals im Sommer! Mal seh'n - ich lass' es auf mich zukommen!"
Eines möchte er dann aber doch gerne irgendwann erleben: „Schön wäre es, mal in Schweden aufzutreten und einfach ein bisschen rumzureisen."
Hat er also doch Ziele, der Gisbert. (Artikel aus der Juni-Ausgabe der medium²)


  Plakatwettbewerb - Tabakindustrie ködert Kinder

Studentinnen und Studenten der Fachrichtung Grafikdesign von Universitäten, Akademien, Fachhochschulen und Fachschulen im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz und Österreich) sind aufgerufen, Plakate zu entwerfen, die das Thema „Tabakindustrie ködert Kinder" illustrieren.
Der Plakatwettbewerb soll die öffentliche Aufmerksamkeit auf Machenschaften lenken, mit denen es die Tabakkonzerne immer wieder schaffen, junge Menschen an den Konsum von Zigaretten zu gewöhnen und sie davon abhängig zu machen. Die Tabakindustrie sagt selbst: „Wir müssen sie jung an den Haken kriegen und dann ein Leben lang." (Tommie Sandefuhr, Geschäftsführer des Tabakkonzerns Brown & Williamson)
Die Plakate sollen 4-farbig gestaltet werden. Abgabe erbitten wir auf CD als A3-DruckPdf mit
mindestens 300dpi mit 3mm Anschnitt, sowie ein VorschauPdf in A4 mit 72dpi. Die CD ist an das
Aktionszentrum des Forum Rauchfrei zu schicken (Adresse: s.u.).
Für die ersten fünf Plakate ist ein Preisgeld von insgesamt 10.000 EURO ausgeschrieben. Jedes der fünf Gewinnerplakate wird in einer größeren Auflage gedruckt und auf öffentlichen Plakatwänden gezeigt.
Zudem sind eine Wanderausstellung und die Verteilung von Edgar-Karten geplant.

Abgabetermin der Plakate: 30. April 2009
Preisvergabe: 28. Mai 2009

Schirmherrschaft: Prof. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, Berlin
Jury: Prof. Gunter Rambow (Präsident der Jury); Prof. Fons Hickmann, UdK
Berlin; Prof. Melchior Imboden, Luzern; Prof. Nikolaus Troxler,
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart; Uta Bauer, Letteverein Berlin;
Prof. Henning Wagenbreth, UdK Berlin; Katharina Ehrlicher, Forum
Rauchfrei; Johannes Spatz, Forum Rauchfrei
Sponsoren: Dieter Mennekes Umwelt Stiftung, Stiftung rauchfrei leben,
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V., Nichtraucher-Initiative
München e.V., Aktionskreis Stuttgarter Nichtraucher e.V., Nichtraucher-
Initiative Frankfurt am Main e.V.

Veranstalter: Forum Rauchfrei
Rückfragen und Einsendungen:
Aktionszentrum Forum Rauchfrei
Müllenhoffstr. 17
10967 Berlin
Tel.: 030 / 74755922
aktionszentrum@forum-rauchfrei.de
Weitere Angaben: www.forum-rauchfrei.de
letzte Änderung am 12.08.2010